Dorothea Nürnberg

EINLADUNG-herzwortwebenWEB

herzwortweben

Bildschirmfoto 2017-03-28 um 02.21.16

wieviel bedeutung erträgt ein wort?
wieviel deutung ist möglich?
welch unerforschter sinn verbirgt sich hinter zeichen?
der lyrikzyklus herzwortweben spürt jenen fragen nach, öffnet wortgrenzen, lotet die tiefe, dichte poeti- scher metaphern aus. sucht den klang – herzklang hinter dem wortsinn.
tanzende worte suchen neue gestalt, weben antwort auf herzfragen, ankern in ozeannacht, ahnden gewalt, welten-erschütternd. lyrisches ahnen versus macht-volle worte, herz-verkehrt.
worte wenden leben. wieviel wort erträgt sich-worten-verwehrendes?
verklingen die worte, webt ihr klang fort in den schächten des bewusstseins.
herzwortweben weitet welten, transzendiert leben. entdichtet sein. verdichtet, dichtet sinn.

Mit herzwortweben nahm Dorothea Nürnberg als erste österreichische AutorIn am Festival Internacional de Poesía in Buenos Aires/Juni 2017 teil.

Veröffentlichungen aus diesem Werk erschienen in renommierten internationalen Literaturmagazinen:

REZENSIONEN:


Literaturzeitschrift PODIUM, Herbst 2017

Dorothea Nürnberg, herzwortweben
Wien bei Ibera/ European University Press 2017, 96 S. davon 85 Seiten Gedichte
Das schöne Cover-Foto der Autorin mag zuerst erstaunen: der zentrale Ausschnitt eines Kristalls, welcher – siehe Titel – so gar nichts vom weichen Textilen an sich hat. Und doch ist er wegweisend, beachtet man die Form der Gedichte: Es gibt es keine langen Zeilen, keine Sätze, sondern Worte untereinander und zusätzlich gegeneinander verschoben, ja in der konsequenten Kleinschreibung buchstäblich «verrückt» in einer vielfach gebrochenen Struktur, die in ihren Bestandteilen durchaus in verschiedene Richtungen zu verweisen scheint. Nur scheint: denn anderseits nimmt Frau Nürnberg das Weben ebenfalls ganz im Wortsinn. Nicht zufällig stehen die Worte, sondern durchaus in einem immer wieder «durchschlagenden» Rapport, der in den klug durchdachten Abständen eigene, gleichsam geschichtete Muster aufbaut. In diesem Sinn stimmt wort schafft welt (28) ganz direkt.
Das Ganze bliebe ein bereits großartiger l’art pour l’art (wie es ihn ja schon gegeben hat), verbände Frau Nürnberg nicht das Formale eng mit dem Inhaltlichen. Die Wort-Gestaltung «gebiert» ihre Sinnzusammenhänge, seien sie assoziativ – fragenmeer / im anker / der stille und dann wann flutet helle? (11), seien sie unmittelbar – geflügelte / worte / über /schwarzen / federn und dann absprung / ins gedicht (16). Die beiden Beispiele illustrieren den Kosmos, aus dem Frau Nürnberg schöpft: Es sind die ursprünglichen Prozesse in der Natur, in der aus der (heute so oft missachteten) Muße geborenen feinen Beobachtung. Zumal das Feine stets in das Feinsinnige übergeht: lautlos öffnen / träume ihr gefieder (46). So wird das Psychologische ein wesentlicher Bestandteil, ist allerdings beim raschen Lesen kaum zu finden. Es braucht, wie das die Lyrikerin da und dort eigens tut, des Nach-Sinnens. Eine deutliche «Hilfe» geben zum einen die Kapitel-Titel, zum anderen, im letzten Abschnitt, die Gedicht-Überschriften. Neben dieses Förmliche treten die vielen Bilder, die in diesem Prozess zu Metaphern mutieren, und zum Bedenken ermutigen: über den Blick von außen und jenen von innen, über Frage und Antwort, Sein und Entstehen. Daraus resultiert unter der Maßgabe des heutigen problematischen Welt-Zustands kein Himmelhochjauchzen, sondern eine etwas wehmütige Stimmung, ein verhaltenes Klagen, das manches Mal (gottlob) durchaus in ein leises Lachen umschlagen kann. Und zu der ein hoher Grad an nicht zuletzt klassischer Bildung gehört, die kulturgeschichtlich wie weltumspannend geographisch wie lebensphilosophisch einen weiten Bogen zu schlagen vermag. Diese Verwurzelung – «bloß» besonders ausgeprägt in edelsteingarten (79/80) – drängt auf den Prozess, äußere Umstände und Erlebtes in innere Welten umzutexten … und damit womöglich zur ernst genommenen, weil persönlichen Wandlung (herz!) in der Haltung zu Ökologie und sozialem Habitus beizutragen hilft.
Schließlich bleibt noch eine weitere Lesart, die lediglich auf den ersten Blick anders ist, indem sie von den gleichen Grundzügen getragen wird. Man gibt sich dabei sinnlich dem Rhythmus hin und vor allem dem Farbenreichtum, in Wort und Sprache. Beide müssen Frau Nürnberg ein wichtiges Anliegen sein, denn fast paradigmatisch erfüllt das längste Gedicht – farbrausch (85-89) – kongenial diesen Anspruch. Das wohl Essentielle zeigt sich auch darin, dass sich diese Ansätze dann ebenfalls in den Romanen der Autorin wiederfinden lassen, nach diesem Buch möchte man sagen, leider etwas versteckt … Und es sind wahrscheinlich gerade diese lyrischen Eigenheiten, die speziell romanische Dichter/innen ansprechen, sogar regelrecht aufhorchen lassen (wie es denn Gedichten gebühren sollte!). Mir erscheint es, so gesehen, kaum erstaunlich, wenn bereits Übertragungen ins Französische und ins Kastilische (d.i. das südamerikanische Spanisch) vorliegen resp. bei renommierten Verlagen vorbereitet werden.
Ein ehrliches Zeugnis, ein persönliches Werk, ein überzeugendes Beispiel lebendiger Poesie.
Martin Stankowski

LA POESÍA VISUAL DE DOROTHEA NÜRNBERG
Aleyda Quevedo Rojas, poeta, Quito, Ecuador, septiembre 2017:
Lo primero que sentí al leer a la poeta austríaca Dorothea Nürnberg tiene que ver estrictamente con lo visual, quizá porque sus versos cortos parecen dibujos de Paul Klee. Y llegaron a mi retina: plásticos, musicales, ópticos y ligeros. A mis ojos son versos de una arquitectura pulida y económica, sin excesos…
Leer los matemáticos y exactos poemas de Dorothea causa una vibrante impresión visual: precisa, colorida y desencadenante de otras sensaciones líricas, reflexivas y olfativas. Su poesía tiene texturas y aunque estarían más cerca del epigrama y del tono de los naturalistas, no deja de lado, lo aéreo, leve y austero en el lenguaje, como preocupación esencial. Pocas palabras, y muchas imágenes nítidas. Quizá también sus versos tienen mucho que ver, como muchas otras cosas de la vida, con la belleza atrapada en la imagen, eso es lo que primero conmueve y moviliza en su trabajo. La naturaleza ha sido para ésta encantadora mujer que conocí en Buenos Aires, el principal objeto de escritura y por lo tanto, hay un compromiso con la protección del planeta.
También tienen que ver, en una segunda lectura, con la musicalidad de sus versos perfectamente pronunciados en alemán, y desde luego, con el ritmo constante de imágenes que van apareciendo entre rojos, turquesas, lilas, perlas, flores, cuarzos, corazones, gemas y blancos que desembocan en la luz del Danubio que la poeta contempla desde alguna de las ventanas de su casa…incesante movimiento de las palabras recorriendo trayectorias clásicas, misteriosas, plásticas…Dorothea es más conocida como novelista, pero ha marcado un camino en la poesía con algunos ejes de escritura que tienen que ver con la naturaleza y su equilibrio, con el paisaje y su disfrute, con el río y el goce de sus aguas. La idea de su escritura poética: compacta, contemplativa y estética, explora las distintas poéticas de la imagen y el color en los versos.

Dorothea Nürnbergs visuelle Poesie

Der erste Eindruck, als ich die Gedichte der österreichischen Lyrikerin Dorothea Nürnberg las, bezog sich auf deren visuellen Aspekt, vielleicht auch weil ihre Gedichte Skizzen von Paul Klee ähneln. So landeten sie auf meiner Netzhaut: plastisch, musikalisch, geschliffen, leichtfüßig.
Verse mit einer klaren, ökonomischen Architektur, ohne Überschwang.
Die mathematisch exakten Gedichte Dorotheas erzeugen einen vibrierenden, visuellen Eindruck: klar, farbig, wecken sie vielfältige lyrische Impressionen, wirken reflexiv, olfaktorisch.
Ihre Gedichte gleichen einem Gewebe und obwohl dem Epigramm, der Stimmung der Naturalisten verwandt, kommt auch das Luftige, Leichte, Ernste ihres Stils als essentielles Anliegen nicht zu kurz. Wenige Worte und viele klare Bilder.
Vielleicht haben ihre Verse auch sehr viel mit der im Bild verborgenen Schönheit zu tun – so wie viele andere Dinge des Lebens auch.
Diese verborgene Schönheit ist es, die ihr Schaffen prägt und bewegt.
Die Natur ist Hauptthema jener Autorin, die ich in Buenos Aires (anlässlich des Festival Internacional de Poesía ) kennenlernte – verbunden mit einem kompromisslosen Einsatz für den Schutz des Planeten.
Bei der zweiten Lektüre fällt das Hauptaugenmerk auf die Musikalität ihrer Verse, perfekt vorgetragen im deutschen Original, konstant gehaltener Rhythmus der Bilder, die zwischen Rottönen, Türkisen, Flieder, Perlen, Blumen, Quarzen, Herzen und Leerstellen auftauchen, um in das Licht der Donau einzumünden, die die Autorin aus einem Fenster ihrer Wohnung betrachtet – unaufhörlicher Fluss der Worte, Spurrillen, klassisch, geheimnisvoll, plastisch...
Der Grundtenor ihres poetischen Schaffens ist dicht, kontemplativ, ästhetisch.
Ihre Gedichte loten die vielfältige Poetik des Bildhaften und die Farbigkeit der Verse aus.
Aleyda Quevedo Rojas, Quito, Ecuador, preisgekrönte Lyrikerin

KOMMENTARE:


Kann Lyrik heilen? Vielleicht nicht direkt, aber sie kann möglicherweise "die Seele erwecken" (Peter Handke). Dorothea Nürnberg erforscht in herzwortweben das Material von Wörtern, ihren Klang und ihre Transparenz. In zehn Studien/Sequenzen meditiert sie über einzelne Worte und Wortverbindungen, lässt sie schweben und ihre (Heil)-Wirkung entfalten. Die lyrischen Miniaturen und Objekte werden gleich einem großen Mobile zu Filmstills wie fragenspur und blattmund bis farbrausch u.a. auch grafisch ausbalanziert. Die Dichterin als Schamanin des Worts und Verteidigerin der Sprache, ihre Dichtung verweist auf uns selbst: / und / nirgendwo / halt / im unaufhörlichen / tanz / der atome .
Augusta Laar, Schamrock Festival der Dichterinnen, München-Wien, Februar 2017

herzwortweben
Dorothea Nürnbergs Publikationsliste ist lang und vielfältig. Sie schrieb Romane: Tochter der Sonne, Unter Wasser. Der Sterntänzer. Gestern vielleicht. – Erzählungen: Spiegelbilder. Poetische Reiseführer: in 18 Touren um die Welt. Sie schrieb Kurzweiliges und Eiliges, eine Gedankenversammlung. Und Meditationen aus Meer und Sand, Onda. Und die Gedichte: Der erste Gedichtband war BewusstSein im Werden.
Oft gibt ein brennendes Anliegen den Impuls zum Schreiben. Ihre beiden Amazonien-Romane (Tochter der Sonne und Unter Wasser) behandeln die Bedrohung und Zerstörung des Regenwaldes und die Vertreibung seiner Bewohner. Sie hat in langen und anstrengenden Reisen dies alles selbst gesehen und erlebt. Ihr intensiver Bezug zu Südamerika, besonders zu Brasilien, besteht schon seit Studienzeiten. Im Sterntänzer geht es um Sufi-Philosophie und die sehr differenzierten Situationen und Probleme der Moslems in Wien. Einen Einblick in diese Welt muslimischer Zuwanderer konnte Dorothea Nürnberg schon während ihres Studiums in Paris gewinnen.
Auch die Kunstfotografie gehört zu ihrem Leben und Schaffen – und diese gesamte Flut und Fülle von Bildern, Erlebnissen, Erfahrungen, Gedanken wirkt mit an dem Gewebe aus Worten, ist den Gedichten, die wir heute vorstellen, in abstrahierten, hochkonzentrierten, homöopathischen Dosen eingewebt. Und auch Dorothea Nürnbergs jahrelange Beschäftigung mit Malerei hat ihren Anteil daran. Wort und Bild durchdringen einander – da ist kein Zwischenraum.
herzwortweben. Es ist hervorzuheben und eine besondere Auszeichnung für Dorothea Nürnberg, dass sie mit diesem Gedichtband als erste österreichische AutorIn im Juni beim Festival Internacional de Poesia in Buenos Aires vertreten sein wird.
Ich habe den Begriff Wortkunst in Dorotheas Frankreich-Text in den 18 Touren um die Welt gefunden. Nicht Sprachkunst, Wortkunst. Und ich dachte, dass Dorothea, die französische Philologie studiert hat, von den Franzosen deren intensive Liebe zu ihrer Sprache auf ihre Weise in ihre eigene Muttersprache übernommen hat. Liebe, wie sie in ihren Werken zum Ausdruck kommt: das ist Leidenschaft, Zärtlichkeit, Verspieltheit, Sinnlichkeit, die gesteigerte Lebendigkeit aller Sinne und tiefer Ernst. – Herzwort.
Die Worte in diesen Gedichten sind fast nie in Zeilen gefasst, sie stehen einzeln oder nur zwei nebeneinander. Sie stehen auch nicht untereinander in einer Reihe, linksbündig wie üblich oder zentriert. Jedes Wort möchte Platz haben um sich herum. Es steht ja nicht nur für sich und seine wenigen Buchstaben. Es hat Horizonte hinter sich und Schichten unter sich. Jedes ist wichtig in dem Gewebe, das nicht auseinanderfällt, nicht reißt. Schuss und Kette, Bedeutung und Klang. Karl Krolow meint, die Kraft eines Gedichtes hängt von den Worten ab, aus denen es besteht. „Aus dem Umgang der Worte miteinander, innerhalb eines Gedichtes, einer kurzen, intensiven, glaubwürdigen Verbindung.“ Der Faden des Gedankens, der Gedankenfaden läuft hindurch bis an sein Ende, traumwandlerisch und konsequent. Ein Gedicht muss zu Ende gedacht, besser gesagt ‚gedichtet‘, sein. Das ist die Energie seiner Struktur, seiner Komposition. Was aber die Verständlichkeit eines lyrischen Gedichtes betrifft, so spricht es für den Rang eines Textes, wenn er den Leser dazu animiert, sich im Dunklen, und auch im Unverstandenen, noch nicht Verstandenen einzurichten und aufzuhalten
Die optische Erscheinungsform der Gedichte erinnert an choreografische Skizzen. Das Wort möchte sich bewegen mit der Ausdruckskraft des Tanzes, dieses ganz und gar Ganzen, Lebendigen . „tanzende / worte / suchen / gestalt // …“ , oder „alte tänze / weben / neue lieder.“ Das Gewebe ist flächig, der Tanz bedarf des Raumes, einer weiteren Dimension: Dynamik und Vitalität. –
Diese Gedichte suchen nicht nur nach der Seele des Wortes, sie beschwören sie. „kranke worte / suchen / heilung." - „neue / worte / weben / am abgrund / zeit…“ „worte / weben / in perlmutt / und glas…“ - „schreiben / gegen / verstummen / angesichts / des / verwunschenen / wortes
Elisabeth Schawerda, Lyrikerin


FOTOS VON DER BUCHPRÄSENTATION:

2017_03_22_Dor_Nuerenberg_ (71) 2017_03_22_Dor_Nuerenberg_ (46) 2017_03_22_Dor_Nuerenberg_ (40) 2017_03_22_Dor_Nuerenberg_ (38)